Frisches Wasser aus dem Hahn: Wie funktioniert die Wasseraufbereitung?

Hast du dich schon einmal gefragt, wie das Trinkwasser zu uns nach Hause kommt? Ob für den Kaffee am Morgen, die Dusche oder die Waschmaschine, wir verwenden es jederzeit. Für uns ist es praktisch eine Selbstverständlichkeit, Wasser immer verfügbar zu haben.

Hinter den Kulissen arbeiten Wasserwerke rund um die Uhr, um alle Haushalte mit frischem Wasser zu versorgen. In ihren Aufbereitungsanlagen wandeln sie Fluss- und Grundwasser wieder in sauberes Trinkwasser um. Wie die Wasseraufbereitung genau funktioniert, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Am Ende gibt es noch einen Tipp, wie du dein Wasser selbst auf Reinheit überprüfst.

Wozu dient die Wasseraufbereitung?

Foto eines Wasserwerks

Äußerlich macht Wasser nahezu immer den gleichen Eindruck. Beispielsweise ist in den Flüssen das Wasser meistens glasklar. Das bedeutet aber lange noch nicht, dass es trinkbar ist.

Was wir nicht auf Anhieb sehen, sind die Schadstoffe, die sich im Wasser befinden. Unter anderem können das Schwermetalle, Keime und Rückstände von Medikamenten sein. Aus diesem Grund muss das Wasser vor dem Verzehr aufbereitet werden.

Wasseraufbereitung ist aber nicht nur für Menschen, sondern auch Maschinen wichtig.

Durch zu hartes Wasser würden Rohrleitungen und Geräte nämlich schneller verkalken. Genauer gesagt greifen die Mineralstoffe das Metall relativ stark an, wodurch sich der Verschleiß erhöht. Um alle Maschinen auf Dauer zu schonen, bereinigt man das Wasser von unerwünschten Stoffen.

Verfahren der Wasseraufbereitung

Allgemein enthält Wasser Inhaltsstoffe in unterschiedlicher Art und Größe. Hier reicht das Spektrum von groben Pflanzenresten bis hin zu Bakterien, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Daher setzt man mehrere Methoden ein, um die verschiedenen Bestandteile herauszufiltern.

In Summe gibt es drei wesentliche Verfahren bei der Wasseraufbereitung:

Mechanische Aufbereitung

Bei der mechanische Aufbereitung trennt man alle Grobstoffe vom Wasser. In der Regel kommen bei diesem Verfahren Filter und Siebe zum Einsatz. Die Abfälle werden entweder entsorgt oder recycelt.

Physikalische Aufbereitung

Im Gegensatz zur mechanischen Aufbereitung, benötigt das physikalische Verfahren keine Filter. In diesem Fall setzt man auf Prinzipien wie beispielsweise Sedimentation.

Das bedeutet, dass sich größere Partikel am Boden absetzten, da sie schwerer als Wasser sind. Gleichzeitig steigen leichtere Partikel an die Oberfläche. Das nennt man dann Adsorption.

Chemische Aufbereitung

Das chemische Verfahren arbeitet auf Molekularebene. Eine Methode ist die Oxidation, bei der sich bestimmte Stoffe durch einfachen Luftkontakt aus dem Wasser lösen.

Des Weiteren gibt es noch die Desinfektion mit chemischen Mitteln und die Flockung. Bei der Flockung vereint man Kleinstpartikel zu größeren Flocken, um sie anschließend mit dem mechanischen oder physikalischen Verfahren herauszufiltern.

Wie funktioniert die Wasseraufbereitung?

Foto der Anlage eines Wasserwerks

Für die Aufbereitung unseres Trinkwassers wird größtenteils Grundwasser verwendet. Es sind ungefähr zwei Drittel. Der Rest stammt hingegen aus Oberflächenwasser, vor allem aus Flüssen.

Generell unterscheiden sich die eingesetzten Reinigungsverfahren je nach Wasserwerk leicht. Das Grundprinzip bleibt aber immer das Gleiche. Gehen wir die Aufbereitungsstufen einmal beispielhaft durch.

1. Sammlung in Absetzbecken

Zunächst wird das Wasser aus dem Fluss entnommen und in ein Absetzbecken befördert. Nachdem das Wasser zur Ruhe gekommen ist, setzten sich schwere Inhaltsstoffe auf dem Boden ab.

2. Schnellfilter

Im zweiten Schritt wird das Wasser in eine Schnellfilteranlage geleitet. Diese Filteranlage kannst du dir als ein mit Sand gefülltes Becken vorstellen. Während das Wasser durch die Sandschicht sickert, filtert der Sand alle groben Partikel heraus.

3. Langsamsandfilter

Nach dem Schnellfilter kommt nun ein zweiter Filter zum Einsatz. Der Langsamsandfilter besteht aus einer dicken Schicht aus feinem Sand und Gestein. Bis das Wasser durch diese Schicht durchgedrungen ist, können mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit werden weitere Schadstoffe mithilfe von Bakterien entfernt.

4. Flockungsanlage

Jetzt sind die restlichen Inhaltsstoffe des Wassers sind so klein, dass sie vorerst nicht gefiltert werden können. Deswegen fließt das Wasser in eine Flockungsanlage. Hier werden alle organischen Feinpartikel miteinander zu größeren Flocken verklumpt und für den nächsten Arbeitsschritt vorbereitet.

5. Aktivkohlefilter

Im Anschluss wandert das Wasser durch einen Aktivkohlefilter. Dieser filtert die restlichen Spurenelemente aus dem Wasser. Dabei lagern sich die Spurenelemente jeweils an der Aktivkohle ab, sie werden praktisch von der Kohle gebunden.

6. Entsäureung

In der nachfolgenden Entsäuerung senkt man den pH-Wert des Wassers. Auf diese Weise sollen Wasseranlagen und Leitungen vor Korrosion geschützt werden.

Hauptsächlich ist Kohlenstoffdioxid die Ursache für die saure Lösung. Um das CO2 auf dem Wasser zu bekommen, sprudelt eine Maschine Sauerstoff ins Wasser. Daraufhin entweicht das Kohlendioxid und der Säuregehalt sinkt.

7. Desinfektion

Im letzten Schritt durchläuft das Wasser noch eine Desinfektionsanlage. Für diesen Prozess ist die chemische Reinigung mit Chlor oder Ozon üblich. Alternativ kann das Wasser mit UV-Licht desinfiziert werden. Dabei werden alle restlichen Keime beseitigt.

8. Verteilung

Da das Wasser nun vollständig aufbereitet ist, kann der Versorger es an die Haushalte weiterleiten. Bei Bedarf wird das Wasser zwischengelagert.

Vorteile und Nachteile der Wasseraufbereitung

Die Wasseraufbereitung können wir praktisch als Recycling betrachten. Sie erfüllt den wichtigsten Zweck, indem sie verschmutztes Wasser wieder sauber macht. Ohne eine funktionierende Aufbereitung hätten wir nämlich schnell kein Trinkwasser mehr.

Darüber hinaus hat sie weitere Vorteile. Neben dem Wasser recyclen die Anlagen auch andere Materialien. Beispielsweise können herausgefilterte Metalle wieder in den Wertstoffkreislauf gebracht werden.

Auf der anderen Seite fallen natürlich Abfälle an, die der Betreiber entsorgen muss. Zudem kann es passieren, dass im Aufbereitungsprozess ein Fehler passiert und somit das Leitungswasser verunreinigt ist. Das kommt allerdings nur in seltenen Fällen vor.

Falls du dir trotzdem nicht sicher bist, ob bei dir die Grenzwerte eingehalten werden, ist ein Wassertest sinnvoll. Unten findest du weitere Informationen zu diesem Thema.

Wie kann ich mein Wasser testen?

Foto einer Skala zum Testen der Wasserqualität

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen du die Wasserqualität in deinem Haushalt überprüfen kannst. Zum einen bieten sich spezielle Teststreifen an, die du für ein paar Sekunden ins Wasser tauchst. Anschließend lässt du den Streifen für kurze Zeit trocknen.

Je nach der Zusammensetzung des Wassers färbt sich der Teststreifen in mehreren Farben ein. Das Ergebnis kannst du dann auf der mitgelieferten Farbskala ablesen. Zwar sind Teststreifen ziemlich günstig zu bekommen, jedoch sind sie oftmals relativ ungenau. Du kannst dich also nicht zu 100% auf das Ergebnis verlassen.

Wesentlich genauere Resultate liefert dir ein elektrisches Messgerät. Alternativ kannst du auch ein Labor mit der Analyse des Wassers beauftragen. Hierbei musst du aber mit deutlich höheren Kosten rechnen.

Wie kann ich die Wasserhärte messen?

Foto eines verkalkten Wasserrohrs

Es kann schnell zum Ärgernis führen, wenn ständig die Küchengeräte oder Armaturen verkalken. Die Ursache hierfür ist hartes Wasser mit einem hohen Anteil an Calcium und Magnesium.

Grundsätzlich weist das Wasser in jeder Region einen unterschiedlichen Härtegrad auf. In Bezug auf die Wasserhärte gibt es insgesamt drei verschiedene Kategorien. Üblicherweise verwendet man die Einheit „Grad deutscher Härte (°dH)“.

  • Weiches Wasser : Weniger als 8,4 °dH
  • Mittleres Wasser: Von 8,4 °dH bis 14 °dH
  • Hartes Wasser: Mehr als 14 °dH

Um die Wasserhärte zu messen, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Die einfachste Methode ist, beim örtlichen Wasserversorger nachzufragen. Sei dir aber bewusst, dass du auf eine Antwort länger warten musst.

Als zweite Option bieten sich Teststreifen an. Bei manchen Küchengeräten sind die Streifen sogar im Lieferumfang enthalten. Genauso wie bei den Tests der Wasserqualität ist das Ergebnis jedoch nicht besonders genau. Ein Messgerät ist hier ebenfalls die bessere Alternative.

Foto von Titrierlösung zum Messen der Wasserhärte

Die dritte wirklich gute Möglichkeit ist ein Test mit Tritierlösung. Zusammen mit der Flüssigkeit erhältst du einen kleinen Messbecher, den du zuerst mit Wasser füllst. Danach gibst du die Tritierlösung tropfenweise ins Wasser und schüttelst den Becher. Wichtig ist, dass du die Anzahl der Tropfen mitzählst.

Nun wiederholst du diesen Arbeitsschritt solange, bis sich die Farbe des Wassers von rot auf grün ändert. Die Anzahl der Tropfen ist jetzt gleich der Wasserhärte.

Im Prinzip ist die Wasserhärte nur für unsere Haushaltsgeräte relevant. Gesundheitlich hat der Härtegrad des Wassers keine Auswirkung. Geschmacklich sieht es etwas anders aus. Während weiches Wasser einen neutralen Geschmack hat, schmeckt hartes Wasser eher markanter.

Für deine Geräte ist weiches Wasser die bessere Wahl, dann verkalken sie nicht so schnell. Sollte dein Wasser allerdings sehr hart sein, kann eine Wasserenthärtungsanlage Abhilfe schaffen. Dieses Gerät reduziert die Wasserhärte, indem sie das Calcium und Magnesium aus deinem Leitungswasser filtert.

Fazit

Es sind einige Schritte notwendig, bis das Wasser aus dem Fluss in unser Trinkglas gelangt. Wenn wir noch unseren täglichen Wasserbedarf berücksichtigen, ist das im wahrsten Sinne eine logistische Meisterleistung.

In der Aufbereitung wandert das Wasser durch zahlreiche Stationen bis es unsere Standards von Trinkwasser erfüllt. Zusätzlich werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. In der Regel kannst du dein Leitungswasser also bedenkenlos trinken.