BPA frei: Was ist Bisphenol A und welche Wirkung hat es?

Wahrscheinlich hast du schon auf einer Verpackung den Ausdruck „BPA-frei“ gesehen. In diesem Fall steht die Abkürzung BPA für den chemischen Stoff Bisphenol A. Ob Trinkflaschen oder Handyhüllen, BPA kommt in zahlreichen Alltagsprodukten aus Kunststoff zum Einsatz.

Generell ist Bisphenol A ein sehr umstrittener Stoff. Er wird in der Öffentlichkeit immer wieder heiß diskutiert. Der Chemikalie wird nämlich eine für die Gesundheit schädliche Wirkung nachgesagt. Aus diesem Grund machen viele Hersteller den Schritt in Richtung BPA-freier Produkte.

Doch was für einen Effekt hat BPA auf unseren Körper überhaupt und welche Produkte sind wirklich BPA-frei? Erfahre mehr über den kontroversen Stoff.

Was bedeutet BPA?

Wie bereits oben kurz erwähnt, meint man mit BPA die chemische Verbindung Bisphenol A. Hier steht der Buchstabe A für den Bestandteil Aceton. Neben BPA gibt noch weitere Bisphenole mit anderen Komponenten, wie z. B. Bisphenol F oder Bisphenol S.

Der Stoff BPA wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und seitdem für die Herstellung von Kunststoffen und Harzen verwendet. Als Grundstoff sorgt das Bisphenol A vor allem für mehr Haltbarkeit.

In der Regel sind Kunststoffe, die BPA enthalten, sehr stabil und besitzen ein vergleichsweise geringes Gewicht. Außerdem erleichtert dieser Weichmacher die Produktion von durchsichtigen Kunststoffen. Insbesondere gibt man bei der Produktion des Kunststoffs Polycarbonat einen Teil Bisphenol A hinzu.

Worin ist Bisphenol A enthalten?

Im Prinzip kommen jeden Tag mehrmals mit BPA in Kontakt. Zum einen sind das natürlich Gegenstände aus Plastik. Unter anderem sind das Trinkflaschen, Plastikgeschirr und Behälter für Lebensmittel. Spielzeug oder Schnuller für Kinder können auch BPA enthalten. Daneben sind noch Alltagsgegenstände wie z. B. Handyhüllen, CDs und Wasserkocher zu nennen.

Des Weiteren setzt man Bisphenol A ebenfalls als Basis für Beschichtungen ein. Eis sehr bekanntes Beispiel ist die Konservendose. Im Inneren kann sie mit einem BPA-haltigen Epoxidharzlack versehen sein. Bei Zahnfüllungen und Thermopapier ist das der gleiche Fall. Das bedeutet, dass sogar Kassenbons Bisphenol A aufweisen können.

Wie gelangt BPA in unsere Nahrung?

Foto mehrerer Konservendosen mit Bisphenol A

Allgemein gibt es verschiedene Wege, wie BPA in unsere Nahrung gerät. Genauer gesagt sind das Lebensmittel, die hauptsächlich mit Verpackungen aus Bisphenol in Berührung kommen. Wie oben bereits erwähnt, gehören Flaschen, Dosen und Geschirr aus Polycarbonat dazu.

Im Grunde reicht schon eine kleine Erhöhung der Temperatur aus, damit sich das BPA aus dem Plastik löst. In der Folge geht der Weichmacher auf die Lebensmittel über, die wir anschließend einnehmen.

Zum Beispiel kann diese Situation bei Wasserflaschen, die einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, vorkommen. Dann würde sich das BPA in relativ kurzer Zeit mit deinem Getränk vermischen.

Generell solltest du darauf achten, Produkte aus Polycarbonat keiner Hitze auszusetzen. Vermeide also den Geschirrspüler für diese Art von Gegenständen. Im Übrigen solltest du warme Lebensmittel zunächst abkühlen lassen, bevor du sie in einen Behälter aus Polycarbonat einfüllst.

Weiterhin kann sich BPA leicht lösen, wenn die Oberfläche des Kunststoffs beschädigt ist. Sobald das Plastik Kratzer oder raue Flächen aufweist, solltest du den Gegenstand direkt aussortieren.

Darüber hinaus kann der Weichmacher schon von Anfang an in unserem Trinkwasser vorhanden sein. In der Regel liegt es jedoch nicht am Wasserversorger.

Vielmehr geht es um Wasserleitungen, die im Zuge einer Sanierung mit Epoxidharz beschichtet wurden. In seltenen Fällen kann das darin enthaltene BPA somit direkt aus dem Hahn kommen.

Welche Auswirkungen hat Bisphenol A?

Durch die Nahrungsaufnahme gelangt das BPA natürlich weiter in unseren Körper. Wie zahlreiche Studien belegen, kann Bisphenol A weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.

Das Grundproblem von BPA ist, dass es unseren Hormonhaushalt durcheinanderbringt. Genau genommen wird dem Stoff eine östrogenartige Wirkung nachgesagt.

Auf lange Sicht ist BPA stark gesundheitsschädlich. Negative Folgen sind unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und eine schlechtere Fruchtbarkeit. Des Weiteren steht Bisphenol A in Verdacht, Krebs zu erregen.

Speziell sollte man bei Kindern oder Säuglingen auf eine möglichst BPA-freie Ernährung achten. Ansonsten können Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sowie Konzentrationsprobleme auftreten.

Wieso ist BPA nicht verboten?

Foto von Bisphenol A im Erlenmeyerkolben

Mit Blick auf die gravierenden Auswirkungen kommt oft die Forderung, BPA komplett zu verbieten. Zwar befindet sich Bisphenol A auf der EU-Kandidatenliste der gefährlichsten Chemikalien, jedoch ist seine Verwendung weiterhin erlaubt.

Einzig und allein ist BPA seit Anfang 2011 in Babyflaschen verboten. Schnuller fallen dagegen nicht unter dieses Gesetz. Ansonsten ist der Einsatz von Bisphenol A mit gewissen Einschränkungen möglich.

Um Verbraucher besser zu schützen, hat die EU den Grenzwert für BPA um ein Vielfaches herabgesetzt. Im Jahr 2015 senkte man die Höchstgrenze von 50 Mikrogramm auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Zusätzlich darf jedes Kilogramm Lebensmittel maximal 0,05 Milligramm Bisphenol A beinhalten.

Dennoch sind einige Wissenschaftler der Meinung, BPA sei auch in kleinen Mengen nicht akzeptabel. Deshalb verlangen sie ein ganzheitliches Verbot. Einige Länder wie z. B. Frankreich haben dieses Verbot bereits umgesetzt. Übrigens, seit Anfang 2020 sind in der gesamten EU nur noch BPA-freie Kassenbons erlaubt.

Welche Produkte sind BPA-frei?

Trotz der noch relativ lockeren Gesetze, enthalten nicht alle Produkte aus Plastik auch wirklich BPA. Ganz im Gegenteil. Mittlerweile haben viele Marken selber Initiative ergriffen, indem sie ausschließlich BPA-freie Produkte anbieten. Oftmals siehst du dann ein entsprechendes Siegel mit dem Aufdruck „BPA-frei“.

Foto vom BPA-frei Siegel

Für die Gesundheit lohnt es sich definitiv, wenn du dich nach Gegenständen ohne Bisphenol umschaust. In einigen Märkten sind BPA-freie Produkte sogar schon der Standard. Beispielsweise findest du im Bereich der Trinkflaschen kaum noch Modelle mit diesem Schadstoff.

Falls du dir nicht sicher bist, ob deine Flasche BPA enthält, hilft die der sogenannt Recyclingcode weiter. Im Grunde ist das ein kleines Dreieck mit Pfeilen und einer Zahl in der Mitte.

Foto von der Einstufung der verschiedenen Recyclingcodes

Im Optimalfall ist das Zeichen entweder mit der Zahl 2, 4 oder 5 beschriftet. Hierbei handelt es sich um die Kunststoffe Polyethylen und Polypropylen. Diese Stoffe sind gesundheitlich unbedenklich. Der Kunststoff Tritan ist ebenfalls ungefährlich.

Dagegen solltest du Flaschen mit der Zahl 7 unbedingt meiden. Sie beinhalten nämlich das gesundheitsschädliche Polycarbonat. Alle anderen Kennzeichnungen deuten zwar auf ein BPA-freies Produkt hin, allerdings kann das Material andere Weichmacher enthalten.

Als echte Alternative zu BPA-freiem Plastik bieten sich Werkstoffe wie Glas oder Edelstahl an. Diese Materialien enthalten von Anfang an keine Bisphenole. Damit bist du immer auf der sicheren Seite.

Fazit

Insgesamt wird es wohl kaum möglich sein, BPA im Alltag vollständig zu umgehen. Zumindest können wir dafür sorgen, dass wir mit diesem Schadstoff möglichst wenig in Kontakt kommen. Das Ziel ist es, alle BPA-haltigen Gegenstände Schritt für Schritt auszutauschen.

Wahrscheinlich wird die überwiegende Mehrheit der Hersteller nachziehen und auf BPA-freie Produkte umsteigen. Bleibt nun abzuwarten, wie sich die Situation in der Zukunft entwickeln wird.